Jahresrückblick 2025

2025 startete das Mobile Beratungsteam Berlin (MBT Berlin) der Stiftung SPI im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung mit dem Aufbau der Netzwerkstelle Zivilgesellschaft und Polizei (NetZPol) im Themenfeld Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF). Diese sollte als neuer Arbeitsbereich im Projekt etabliert werden.

Wie beginnt eine Netzwerkstelle, die zunächst noch keiner kennt?

In der Startphase wurde das Vorhaben in verschiedenen Gremien und Vernetzungsrunden vorgestellt und in einem Angebotsflyer zusammengefasst. Parallel dazu fanden erste Absprachen mit der Polizei Berlin statt, um die grundsätzlichen Möglichkeiten und Voraussetzungen für eine Vernetzung mit zivilgesellschaftlichen Akteur:innen zu erörtern.

Im März 2025 begannen wir die Planungen für zwei separate Auftaktveranstaltungen für die Netzwerkstelle. Zivilgesellschaftliche Organisationen und polizeiliche Dienststellen kamen zunächst getrennt voneinander mit NetZPol ins Gespräch, um in einem vertrauensvollen Rahmen über die unterschiedlichen Bedarfe und Anforderungen für eine Vernetzung zwischen Zivilgesellschaft und Polizei zu sprechen.

Wie kam es zur Netzwerkstelle Zivilgesellschaft und Polizei in Berlin?

Bereits 2021 beschloss die Bundesregierung im Zuge verschiedener Maßnahmen zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus die Förderung von Programmen zur „Stärkung des fachlichen Austauschs und der Zusammenarbeit zwischen Zivilgesellschaft und Sicherheitsbehörden“. Auf Grundlage der Explorationsstudie von Camino aus dem Jahr 2024 „ZIVILGESELLSCHAFT UND POLIZEI- KOOPERATIONSFORMEN IN DER BEKÄMPFUNG UND PRÄVENTION VON GRUPPENBEZOGENER MENSCHENFEINDLICHKEIT“ entschied die Berliner Senatsverwaltung eine Netzwerkstelle in Berlin zu etablieren. In dem Bericht wurden bereits erste konzeptionelle Überlegungen angestellt, welche Ziele und Vorhaben eine solche Netzwerkstelle haben sollte, um langfristig wirken zu können. Erste Empfehlungen waren die Initiierung dialogischer Begegnungsformate wie auch die Einrichtung von Beratungsangeboten und Fortbildungen.

Anfang April 2025 fanden die beiden Veranstaltungen statt. Sie bereicherten die weitere inhaltliche Ausgestaltung von NetZPol enorm. Neben klaren Schwerpunktthemen aus dem Bereich Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit wurden konkrete Erwartungen an die Netzwerkstelle deutlich. Dabei ging es unter anderem um das Profil der geplanten, zukünftigen Website, mögliche Formatangebote durch das Team von NetZPol sowie erste Ideen für Begegnungs- und Austauschformate.

Fokus auf den Phänomenbereich Antiziganismus

Um den genannten Bedarfen spezifischer entgegenzukommen, entschied sich das Team zunächst für ein themenzentriertes Vorgehen. So fiel im Frühjahr der Startschuss für eine Bearbeitung des GMF-Themenfeldes Antiziganismus.  Die Wahl war eine direkte Antwort auf Rückmeldungen, dass in diesem Bereich bisher kaum direkter Austausch oder belastbare Netzwerkkontakte bestehen. Unser Ziel war es, zivilgesellschaftliche Organisationen im Feld sowie polizeiliche Dienststellen mit entsprechender Fachexpertise zusammenzubringen, ihnen Raum für Austausch und Vernetzung zu bieten sowie an ersten konkreten Fragen und Zielsetzungen zu arbeiten. Hierfür entwickelte das Team von NetZPol einen modellhaften Ablauf, der in verschiedenen Etappen die Schritte vom ersten Kennenlernen bis hin zur eigentlichen Vernetzung umfasste.

Im Oktober 2025 fanden zunächst zwei getrennte Themenfokustreffen zum Schwerpunkt Antiziganismus statt: eines mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und eines mit polizeilichen Vertreter:innen. Im Rahmen der Treffen wurde darüber gesprochen, welche Erfahrungen die jeweiligen Gruppen bisher in der Zusammenarbeit im Themenfeld Antiziganismus gesammelt haben und welche Herausforderungen bestehen, die im Rahmen einer Begegnung mit der jeweils anderen Akteursgruppe bearbeitet werden sollten.

Die aus den Themenfokustreffen erarbeiteten Bedarfe waren die Grundlage für die Konzeption der eigentlichen Austausch- und Vernetzungsveranstaltung zum Themenfeld Antiziganismus. Hier trafen im November 2025 unterschiedliche Perspektiven auf Seiten der Zivilgesellschaft und der Polizei aufeinander, die im Rahmen eines informellen Austauschs und durch moderierte Arbeitsphasen besprochen wurden. Als Ergebnis standen unterschiedliche Arbeitsaufträge mit klaren Verantwortlichkeiten. Themen waren hierbei etwa die Implementierung von Weiterbildungsangeboten zu Antiziganismus im Aus- und Weiterbildungsbereich der Polizei Berlin, eine bessere Übersicht über die themenbezogenen Ansprechpersonen auf bezirklicher Ebene zu Antiziganismus oder die Erstellung eines Infoflyers mit einer übersichtlichen Darstellung des Verfahrens zur Anzeigeerstattung für zivilgesellschaftliche Organisationen. Die Teilnehmenden werteten das Treffen als Erfolg und wünschten sich die Fortführung des Formats im Jahr 2026.

Weitere Aktivitäten von NetZPol

Neben der eigenständigen Initiierung von Vernetzung übernahm NetZPol auf Anfrage zusätzlich im November 2025 die Moderation des bereits seit Jahren gut etablierten Runden Tisches Hasskriminalität der Polizei Berlin und führte dem bewährten Format weitere dialogische und interaktive Komponenten hinzu, um den Austausch zwischen Zivilgesellschaft und Polizei weiter zu erleichtern.

Im letzten Quartal ist die Projektwebsite von NetZPol online gegangen. Sie bildet ein wichtiges Werkzeug für eine bessere Vernetzung zwischen Zivilgesellschaft und Polizei. Über sie können die Zielgruppen schnelle Antworten auf häufig gestellte Fragen finden sowie Kontaktmöglichkeiten zu unterschiedlichen Organisationen und Dienststellen bekommen, die sich mit Themen im Kontext gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit befassen.

Erste Ergebnisse und Erkenntnisse aus der Projektarbeit

Im Ergebnis blicken wir auf einen erfolgreichen Beginn der Netzwerkstelle und einige wichtige Erkenntnisse zurück:

  • Die Netzwerkarbeit knüpft an sehr unterschiedliche Erfahrungswelten der verschiedenen zivilgesellschaftlichen Communitys an. Manche sind bereits im regelmäßigen Austausch, andere wissen nicht genau, an wen man sich bei der Polizei eigentlich wenden kann, wieder andere berichten von durchmischten oder sogar negativen Erfahrungen.
  • Grundsätzlich zeigen die polizeilichen Akteur:innen ein großes Interesse am Austausch und eine hohe Bereitschaft zur Vernetzung mit der Berliner Stadtgesellschaft.
  • Der Beziehungs- und Vertrauensaufbau zu den vielfältigen Akteur:innen ist zeit- und arbeitsintensiv, aber eine wichtige Voraussetzung für eine gelingende Moderation und Prozessbegleitung.
  • Das zunächst themenzentrierte Vorgehen hat sich als sinnvoll herausgestellt, um den spezifischen Bedarfen entgegenzukommen und einen vertraulichen Rahmen herzustellen.
  • An den ersten umgesetzten Maßnahmen und Ideen können voraussichtlich auch weitere Akteur: innen partizipieren.
  • Die Entwicklung einer Website als Plattform kann nicht alle geäußerten Wünsche und Bedarfe berücksichtigen, da eine ständige Aktualisierung durch das Projektteam aus Kapazitätsgründen nicht gewährleistet werden kann. Dennoch bietet sie eine erste Orientierung und soll perspektivisch weiterwachsen.

Der erste Anlauf der Netzwerkstelle war aus unserer Sicht sehr erfolgreich. Wir wünschen uns, dass sich die neuen Netzwerke weiter stabilisieren, dass wir die ersten Erfahrungen für andere Akteur:innen und Bereich nutzbar machen können und dass sich die Netzwerkstelle - orientiert an den vorhandenen Bedarfen - weiterentwickelt.

Für 2026 haben wir bereits weitere Ideen und sind offen für darüber hinaus gehende Anliegen und Anfragen. Der Grundstein ist gelegt.